Stolpersteine

Werstolpern muss, wird – zumindest für einen kurzen Augenblick – aufgehalten auf seinem eiligen oder achtlosen Weg. Seit November 2007 wurden an vielen Stellen in der Innenstadt und in den Stadtteilen messingfarbene "Stolpersteine" ins Ludwigshafener Straßenpflaster eingelassen. Doch darüber soll niemand zu Fall kommen. Die Stolpersteine sollen Passanten zum kurzen Innehalten bewegen, denn in ihre Oberfläche sind die Namen und Lebensdaten von Ludwigshafener Verfolgten des Dritten Reichs eingelassen. Die Idee und das Konzept stammen von dem Kölner Künstler Gunter Demnig, der inzwischen in vielen, vielen Städten in Deutschland und

Europa mit öffentlichen "Verlegeaktionen" auf das Schicksal vergessener Opfer hingewiesen hat.

 

 

Ludwigshafen setzt Stolpersteine e.V. ist ein Arbeitskreis aus Vertretern des Stadtarchivs, Lehrern und weiteren interessierten Personen, die diese Idee aufgegriffen haben. Bereits die Auftaktveranstaltung am 17. April 2007 im Stadtmuseum und die vielen Stolpersteine-Verlegungen in den Folgejahren haben bewiesen, dass es ein großes Interesse an den "Stolpersteinen" gibt, und dass gerade junge Menschen motiviert werden können, sich mit den Biografien von Ludwigshafenern auseinanderzusetzen, die von den Nazis ermordet oder vertrieben wurden. Ludwigshafen setzt Stolpersteine ist ein Vorhaben, mit dem nachhaltig an diese Schicksale erinnert werden soll. Dazu gehört es auch, historische Recherchen anzustellen.


Monika Kleinschnitger

Auftaktveranstaltung Stolpersteine

17. April 2007 im Stadtmuseum Ludwigshafen

 

 

 

Ludwigshafen setzt Stolpersteine –

Warum sollen uns Stolpersteine bei der Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus helfen?

 

 

"Berlin hat sein Stelenfeld, Wien befindet sich im Prozess des Denkens, München hat mit der Ermöglichung des neuen jüdischen Zentrums mit Synagoge und Museum im Herzen der Stadt Zeichen gesetzt.

 

Das Gedenken, unsere Motivation zum Erinnern, begegnet uns häufig in diesen Tagen. Im Angesicht des aktuellen Generationenwechsels und dem zunehmenden Verlust der Zeitzeugen besteht die Gefahr, dass sich Elemente einer jüngeren deutschen Geschichte in den Schubladen einer Historisierung neutralisieren, dass eine mögliche Institutionalisierung des Gedenkens gefährlicher Gleichgültigkeit Vorschub leistet. Gleichgültigkeit führt zu Desinteresse an Geschichte und Politik, zur Ent-Politisierung und zur Nicht-Verantwortung. Das können wir uns nicht leisten.

 

Die Notwendigkeit, für das „Erinnern“ und für das „Gedenken“ neue und lebendige Formen zu entwickeln, um nachfolgende Generationen zu beteiligen, das muss unser Ziel sein. Wir, das sind die engagierten Aktiven im Arbeitskreis Stolpersteine, schlagen vor, Formen der Gedenkarbeit zu finden, die nachhaltig und sichtbar die Auseinandersetzung mit der Diktatur der NS-Zeit in unserem Stadtbild zeigen. Die künstlerische Gestaltung dieses Abends durch Schülerinnen und Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums als Träger des diesjährigen Abrahampokals zeugen von dieser Verantwortungs-bereitschaft und der Kreativität junger Menschen, sich auf diesen Prozess einzulassen. Herzlichen Dank dafür allen Beteiligten.

 

Der Verharmlosung der Geschichte des Nationalsozialismus entgegenzutreten, ist nur möglich mit eindeutigen und klaren Worten. Geschichtsklitterung, Geschichtsverfälschung, wie sie in den letzten Tagen der baden-württembergische Ministerpräsident Öttinger betrieben hat, rüttelt an uns, hält uns wach und führt uns unsere eigene Verantwortung vor Augen. Den unerschütterlichen NS-Gefolgsmann und NS-Marinerichter Filbinger bei den Widerstandskämpfern einzureihen, ist ein Affront, der Versuch Herrn Öttingers sich herauszuwinden, ein Trauerspiel.

 

Stolpersteine gelten als Provokation. Gunter Demnigs ins Trottoir eingearbeitete Stolpersteine fanden in München bspw. keinen Gefallen. Auch mir ist erst im Gespräch mit einem der wenigen jüdischen Überlebenden der Nazizeit, der noch hier in Ludwigshafen wohnt, sehr bewusst geworden, wie sehr Stolpersteine eine Erinnerungsform sind, die wir als nachfolgende Generationen brauchen - die wir brauchen, die wir weder die Zeit erlebt haben, noch zu den Opfergruppen gehören. Verfolgte der Nazi-Zeit verstehen „Stolpersteine“ manchmal emotional als ein „nochmals mit den Füßen getreten werden“. Und dennoch haben wir uns – hat sich der Stadtrat - in Ludwigshafen für die Stolpersteine entschieden.

 

Wir werden am 22. November 2007 die ersten Stolpersteine in Ludwigshafen durch Gunter Demnig gelegt bekommen. Ihre Fortsetzung erhält die Verlegeaktion bereits im März 2008. In Ludwigshafen sollen die Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung dienen, um den Spuren vergessener Nachbarn nachzugehen, um unsere „Gedächtnislücken“ zu füllen. Die Stolpersteine erinnern an alle Opfer des Naziregimes: An die Juden als größter Opfergruppe, aber auch an die Vertreibung und Vernichtung der Sinti und Roma, an die Opfer politischer und religiöser Verfolgung sowie der Euthanasie und an die Verfolgung Homosexueller.

 

Sicherlich überraschend für uns alle, die sich seit November 2006 in der Initiativgruppe Stolpersteine zusammengefunden haben – und mein Dank gebührt Ihnen allen - sind die hohe Resonanz in der Öffentlichkeit und das große Interesse, mit dem wir von Bürgerinnen und Bürgern und auch von der Presse begleitet werden. Auch Ihre Anwesenheit heute Abend zeigt uns das. Es ist ein Projekt von Bürgerinnen und Bürgern für Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. An dieser Stelle danke ich der OB Dr. Eva Lohse, dass sie mit ihrer Anwesenheit heute und ihrer Bereitschaft, die Schirmherrschaft für das Projekt zu übernehmen, ihr direktes und unmittelbares Engagement zeigt.

 

Gleichwohl dürfen wir gerade hier in der Stadt Ludwigshafen nicht vergessen, welche gewichtige Rolle die BASF – als Teil der IG Farben - gespielt hat. Maßgeblich waren jüdische Wissenschaftler an der Entwicklung der BASF beteiligt. Einzelne jüdische Mitarbeiter konnten durch Versetzung in ausländische Tochterfirmen als unersetzliche Fachleute der nationalsozialistischen Verfolgung entzogen werden. Nicht verschwiegen werden darf, dass die BASF / IG Farben ebenfalls an den Verbrechen des Nationalsozialismus beteiligt war: Durch den Aufbau des petrochemischen Werks Monowitz, ganz in der Nähe des Lagers Auschwitz, mit einem Arbeitslager, in dem von den 120.000 KZ-Häftlingen nur ein kleiner Teil überlebte. Die Verantwortung für unsere Geschichte betrifft alle gesellschaftlichen Kräfte. Jeden einzelnen von uns, führende Kräfte in Wirtschaft und Verwaltung ebenso wie Kultur schaffende und Politik verantwortliche. Die im Vorfeld geführten Gespräche lassen vermuten, dass es zwischen dem 22. Oktober 2007, dem Gedenktag für die deportierten Juden am 22.Oktober 1940 in das Lager Gurs und dem 22.11.2007, dem ersten Verlegetag für die Stolpersteine, eine Reihe von Kooperationen und Veranstaltungen mit und von Ludwigshafener Institutionen, Theatern und Vereinen geben wird.

 

Sie alle können sich beteiligen, dass wir „Stolpern lernen“. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass künftig, wer die Augen auf Ludwigshafener Straßen offen hält, inne hält und nachschaut, weil er über einen Namen stolpert. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass jeder in Ludwigshafen erkennt, dass es eine Ehre und Verpflichtung ist, dafür zu sorgen, dass die vielen Deportierten, die vielen in den Lagern Verhungerten und Erschossenen eine namentliche Erinnerung am Ort ihres letzten Wohnsitzes bekommen.

 

Dies soll uns Ansporn sein, dieses Bemühen wird uns umtreiben.

 

Vielen Dank."

 


Stolpersteine in Ludwigshafen (Gesamtzahl 276)

 

LU/Mitte:

 

 

Benckiserstraße 75

Friedrich Kirn

 

Berliner Straße 48

Naftali Linker Elend

Miriam Elend

Adolf Moses Elend

Rebekka Elend

Aron Hinberg

Bertha Hinberg

Naftali Hinberg

Alexander Hinberg

Abraham Hinberg

Laib Leo Linker

Faiga Linker

Sara Linker

Josef Alter Linker

Isaak Efraim Linker

Hermann Hersch Linker

Auguste Linker

Paula Linker

Nathan Norbert Linker

Samuel Linker

 

Bismarckstraße 38

Dr. Eugen Gerstle

Hedwig Gerstle

Albert Neumond

Dr. Ludwig Neumond

Anna Neumond

Charlotte Neumond

Sara Ransenberg

Herta Rauner

 

Bismarckstraße 78

Eugenie Hirsch

Heinrich Hirsch

 

Bismarckstraße 108

Simon Bergmann

Regine Bergmann

Cilly Bergmann

Lina Bergmann

Oskar Bergmann

 

Dammstraße 18

Hugo Loew

Clothilde Baer

 

Heinigstraße 36

David Freireich

Thoni Freireich

Moses Leib Freireich

Perel Freireich

Naftali Freireich

Helene Freireich

Adolf Freireich

Sara Bergmann

Menasse Bergmann

 

Jaegerstraße 9, Carl-Bosch-Gymnasium

Rudolf Goldmann

Adolph Wetzlar

Mayer Nathan Händler

Nathan Schweid Nord

 

Kaiser-Wilhem-Straße 76

Christian Könninger

Ludwigsplatz 6

Georg Pister

 

Ludwigstraße 10

Bertha Strauss

Adolf Grombacher

Mathilde Seelig

 

Ludwigstraße 38

Johanna Hirsch

Markus Hirsch

Rosa Metzger

Helmut Metzger

 

Ludwigstraße 57

Theodor Kaufmann

Hedwig Kaufmann

Lieselotte Sauer

Ingeborg Sauer

 

Ludwigstraße 81

Sigmund Kaufmann

Anna Kaufmann

Erich Kaufmann

 

Ludwigstraße 83

Sigmund Durlacher

Ella Durlacher

Heinz Durlacher

Erich Durlacher

Lore Durlacher

 

Maxstraße 52

Otto Scheuerbrand

 

Maxstraße 59

Herbert Müller

Martha Müller

 

Maxstraße 65

Eugen Herbst

Friedrich Schott

 

Maxstraße 88

Emma Dobschiner

Erna Auerbach

Hermann Auerbach

Alfred Auerbach

Regina Auerbach

 

Rheinblock 54b

Dr. Ernst Bloch

Dr. Max Hirschler

Dr. Helene Hirschler

 

Wredestraße 7

Dr. Fritz Kaufmann

Erna Kaufmann

 

Wredestraße 10a

Nathan Strauß

Julius Strauß

Edgar Strauß

Johanna Karpfen

 

LU/Süd:

 

 

Arnulfstraße 29a

Siegfried Kahn

Lucy Kahn

Ruth Carola Kahn

 

Bayernstraße 60

Dr. Camille Rehfeld

Sophie Rehfeld

Paul Richard Rehfeld

Margot Rehfeld

 

Bleichstraße 19

Dr. Walter Fetsch

 

Brucknerstraße 3

Flora Hirschler

Sigmund Hirschler

Margot Hirschler

Stefan Hirschler

 

Friedrich-Heene-Straße 1

Dr. Ludwig Lehmann

Paula Lehmann

 

Grünerstraße 7

Friedrich Neubauer

Ruth Neubauer

Eva Neubauer

Isaac Frank Neubauer

 

Lisztstraße 115

Max Greilsamer

Klara Greilsamer

Sabine Rosenbaum

 

Lisztstraße 176

Hedwig Fetsch

Rudolf Fetsch

Wolfgang Fetsch

Anna Rothenberg

Dr. Siegfried Rothenberg

 

Mundenheimer Straße 245

Dora Nord

Moses Leib Händler

Rosl Kessler

Selma Händler

Karl Nord

Adolf Nord

Oskar Händler

Anni Diamant

Max Diamant

Arnold Diamant

 

Pfalzgrafenstraße 67

Heinrich Michel

Gertrud Michel

Ursula Michel

Lilli Michel

 

Richard-Wagner-Straße 18

Dr. Ludwig Weil

Adele Weil

Lotte Weil

Fritz Weil

 

Rubensstraße 25

Friedrich Wilhelm Wagner

Käte Wagner

 

Schießhausstraße 32

Flora Neubauer

Sigmund Neubauer

Richard Neubauer

 

Schubertstraße 2

Martha Fendrich

 

Schumannstraße 22

Eugen Berg

Alice Berg

Günter Berg

Hella Berg

Kurt Berg

 

Schützenstraße 32

Ernst Kern

 

Schützenstraße 19

Isidor Lefor

Margarete Lefor

Edith Lefor

 

Wittelsbachstraße 9

Bernhard Auerbacher

Dina Auerbacher

Fritz Werner Auerbacher

Ernst Auerbacher

 

Wittelsbachstraße 10, Amtsgericht

Walter Fendrich

Dr. Hilmar Heinemann

Dr. Emil Herz

Dr. Leopold Kahn

Dr. Karl Koburger-Reiß

Dr. Ludwig Lehmann

Dr. Heinrich Mayer

Dr. Ludwig Mayer

Heinrich Michel

Richard Müller

Dr. Ludwig Neumond

Dr. Fritz Rothschild

Dr. Heinrich Strauß

Friedrich Wilhelm Wagner

Dr. Ludwig Weil

Dr. Fritz Weiß

 

Wittelsbachstraße 32

Markus Sternlieb

 

Wittelsbachstraße 65

Hans Kahn

Frieda Kahn

Dr. Leopold Kahn

LU/West:

 

Valentin-Bauer-Straße 5

Jakob Rummer

Helene Rummer

 

Friesenheim

Carl-Bosch-Strasse 174

Karl Weilheimer

Flora Weilheimer

Alma Levi

Paula Weilheimer

Otto Weilheimer

 

Erzbergerstraße 100

Dr. Curt Schuster

Dr. Marie Regina Schuster

Dorothea Schuster

Hermine Eleonore Meyer

 

Geibelstraße 71

James Todtmann

Käthe Todtmann

Ellen Todtmann

Magdalena Haas

Adam Haas

 

Hohenzollernstraße 53 (Ebertblock)

Franz Kayser

Schopenhauerstraße 18

Willi Heidelberg

 


 

 

 


LU/Nord/Hemshof:

 

Goethestraße 15

Rosa Fürst

Moses Fürst

 

Hohenzollernstraße 8

Frieda Groll

Ruth Silberberg

 

In den Aspen 24

Dina Berner

Dr. Otto F. Meyer

 

Kanalstraße 50

Robert Weber

 

Prinzregentenstraße 45

Bernhard Singer

Ernestyne Singer

Amalia Singer

Helene Singer

Adolf Singer

Rahel Singer

Felicitas Singer

Israel Regenbogen

Dina Regenbogen

Betty Dora Regenbogen

Josef Juda Regenbogen

Heinrich Regenbogen

Esther Marliese Regenbogen

Paula KahnRosa Kling

Naftali Landau

Syma Chaja Landau

Jakob Landau

Lieselotte Cohn

Marianne Cohn

Max Feingold

Frieda Feingold

Erna Feingold

Heinrich Feingold

Herta Feingold

 

Schanzstraße 26

David Birnfeld

Chaja Birnfeld

Edgar Birnfeld

Benjamin Hack

Amalie Hack

Gerda Hack

Inge Hack

 

Von-der-Tann-Straße 8

Meyer Kaufmann

Hedwig Kaufmann

Martin Kaufmann

 

Von-der-Tann-Straße 29

Dr. Emil Herz

Herta Herz

 

LU/Ruchheim:

 

Fußgönheimer Straße 5

Rosa Salmon

 

Fußgönheimer Straße 32

Jakob Leva

Klara Leva

 

Fußgönheimer Straße 43

Max Leva

Joseph Leva

Flora Leva

Martha Leva

Otto Leva

 

Fußgönheimer Straße 44

Robert Neuberger

 

Fußgönheimer Straße 52

Jakob Waldbott

Caesar Waldbott

Johanna Waldbott

 

Mutterstadter Straße 16

Heinrich Bähr

Johanna Bähr

Ida Lang

 

 

LU/Oppau:

 

Edigheimer Straße 26

Georg Hüter

 

Friesenheimer Straße 25a

Fridolin Braun

Rheingönheim

 

Carolistraße 23

Wilhelm Caroli

 

Eisenbahnstraße 27

Heinrich Weil

Eugenie Weil

Manfred Weil

 

Hauptstraße 228

Max Blüm

 

Hauptstraße 242

Klara Jacob

Margarete Loewy

Ilse Lewin

Rita Birnbaum

 

Hauptstraße 246

Kantor Josef Jacob


LU/Mundenheim:

 

Karolina-Burger-Straße 8

Adolph Wetzlar

Else Wetzlar

Heinz Wetzlar

Lothar Wetzlar

 

Landeckstraße 37

Karolina Liebel

Paul Liebel

 

Zedtwitzstraße 2

Heinz Robert Römer

LU/Oggersheim:

 

Schillerstraße 3

Leo Herz

Julia Herz

Kurt Siegfried Herz

Marta Herz

 

LU/Gartenstadt:

 

Ebereschenweg 16

Mina Sommer

 

Leistadter Straße 7

Josephine Pister

Wilhelm Pister